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Geschichte der Kurländischen Ritterschaft

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„Geschichte der Kurländischen Ritterschaft“, Begriffsklärung in: WIKIa Szlachta [Onlinefassung]; URL:http://www.de.szlachta.wikia.com/, Zugang .. . .. . 20... .


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Geschichte des Landes

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Aus dem durch die Reformation zerfallenen Gebiet des Deutschen Ordens formte der letzte Ordensmeister Gotthard v. Kettler 1561 den südlich der Düna gelegenen Teil für sich zu einem erblichen Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit. Es begann damit für die folgenden 234 Jahre bis 1795 in diesem Gebiet eine eigene Geschichte.

Im Rahmen der III. Polnischen Teilung 1795 und dem Untergang des Lehnsherrn Polen wurde Kurland eine russische Provinz. Gleichzeitig wurde es endgültig mit dem 5500 qkm grossen Hochstift Pilten vereinigt, einer anfänglich dänischen, später polnischen Enklave an der Nordspitze des Landes.

Im 19. Jahrhundert wuchs das Streben nach Identität der Letten und nach staatlichem Einfluss. 1905 kam es zu revolutionsartigen Aufständen nicht nur gegen die russische Herrschaft, sondern auch gegen die Stellung der Deutschen.

Gotthard v. Kettler 1517-1587

Kurländische-Ritterschaft-Gotthard-v-Kettler-1517-1587.jpg

Im I. Weltkrieg besetzten deutsche Truppen Kurland. Nach deren Abzug 1918 drängten deren Reste als "Eiserne Division" gemeinsam mit der aus deutschbaltischen Freiwilligen aufgestellten "Landeswehr" und einem geringen lettischen Kontingent die bolschewistischen Truppen ausser Landes. Am 18.11.1918 wurde die lettische Republik ausgerufen. Sie enteignete entschädigungslos den deutschen Grundbesitz und beliess den Besitzern nur Restgüter von 50 ha. Da ausserdem der deutschen Minderheit der Zugang zu höheren Stellen in der Verwaltung und im Militär versperrt wurde, kam es zu einer grossen Fluchtbewegung der Kurländer, überwiegend nach Deutschland. Die letzten verliessen im Oktober 1939 im Rahmen der verordneten Umsiedlung ihre Heimat.

Die bäuerliche, überwiegend evangelische Bevölkerung umfasste die Völker der namengebenden Liven und Kuren und die Letten.

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Daneben gab es eine deutsche Minderheit, die sich aus dem Adel und den Literaten zusammensetzte. Letztere waren Vertreter der akademischen Berufe wie Pastoren, Ärzte und Lehrer. Zusammen lagen beide deutschen Volksgruppen unter 10% der Gesamtbevölkerung, eine Germanisierung fand niemals statt. Vielmehr erfolgte im 18./19. Jahrhundert durch deutsche Pastoren nicht nur die Übersetzung von Bibel und Gesangbuch für die lettische Bevölkerung, sondern sie bewahrten durch Schaffung einer Schriftsprache auch das lettische Sagen- und Volksgut (Gotthard Fr. Stender).

Geschichte der Ritterschaft

Die Geschichte Kurlands wurde durch seine Ritterschaft geprägt. Diese bestand aus deutschen Adligen, die, vorwiegend aus Westfalen und vom Rhein stammend, in der Ordenszeit Landbesitz erworben hatten. Verfassungsmässig lag die Regierungsgewalt bei Verhinderung oder Abwesenheit des Herzogs in ihren Händen. Die Stellung des Herzogs gegenüber der Ritterschaft wurde obendrein noch dadurch geschwächt, dass diese beim polnischen König in Warschau ein Beschwerderecht über ihn besass.

Seit 1620 besass die Ritterschaft das alleinige Recht der Immatrikulation, also der Aufnahme einer Familie in den Kreis der landtagsfähigen und damit zur Regierung des Landes befähigten Geschlechter, aber nicht der Nobilitierung.

Die Kurländische Ritterschaft nahm staatliche und ständische Aufgaben wahr. Sie wurde durch den Landesbevollmächtigten repräsentiert. Unter Führung des Landbotenmarschalls versammelten sich die durch den Besitz eines Rittergutes legitimierten Angehörigen der Kurländischen Ritterschaft alle drei Jahre zur Beschlussfassung auf dem Landtag in Mitau; zwischenzeitlich entschied das Gremium der "Brüderlichen Konferenz" durch Kirchspielsdelegierte über Angelegenheiten, die keinen Aufschub duldeten. Das Ritterhaus in Mitau

Kurländische-Ritterschaft-Ritterhaus-in-Mitau.jpg

Der Ritterschaft oblag durch ihre ehrenamtlichen Amtsträger die Verwaltung des Landes. Die Kosten zur Unterhaltung von Schulen, Strassen, für die Gesundheitsfürsorge, die Fürsorge (auch der lettischen Bevölkerung), die Seminare zur Ausbildung lettischer Lehrer wurden durch freiwillige Umlagen der Rittergutsbesitzer aufgebracht. Die Grösse der 642 Rittergüter schwankte zwischen 72.700 ha und 71 ha, jedes besass nur eine Landtagsstimme. 1819 hob die Ritterschaft freiwillig und früher als das übrige russische Reich die Erbuntertänigkeit auf und ermöglichte auch den Erwerb von bäuerlichem Landbesitz durch Gewährung günstiger Kredite. So standen 1914 den 1.113.400 ha Gutsland fast 1.017.000 ha Bauernland in lettischer Hand gegenüber.

Kurländische Herzöge

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Herzog Jakob a.d.H Kettler 1610-1681

Die Dynastie der Kettler stellte sechs Herzöge, von denen drei brandenburgische Prinzessinnen heirateten. Der bedeutendste, Herzog Jakob (1642-1682), gründete die ersten deutschsprachigen Kolonien in Gambia und Tobago. Nach dem Aussterben der ersten Dynastie setzte sich gegenüber zahlreichen Mitbewerbern Ernst Johann v. Bühren, später v. Biron, als Herzog durch, Günstling der Witwe des letzten Kettlerherzogs, die selber 1730 als Zarin Anna den russischen Thron bestieg. Sein Sohn Peter, für den das Berliner Kurlandservice entworfen wurde, dankte 1795 im Rahmen der III. Polnischen Teilung ab.

Daten und Zahlen

27.286 qkm

entspricht dem südlich der Düna gelegenen Teil des heutigen Lettland

waldreich, gute Böden

Hauptstadt: Mitau

weitere Städte: Libau, Windau (Häfen)

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