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Legitimierungsverfahren in Russland nach 1785 am Beispiel Wolhyniens

von Dr. Edward von Schlesinger

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Schlesinger, Edward, von: „Legitimierungsverfahren in Russland nach 1785 am Beispiel Wolhyniens“, in: WIKIa Szlachta [Onlinefassung]; URL: http://www.de.szlachta.wikia.com/, Zugang .. . .. . 201. .


Landkarte der Gubernie Wolhynien im Kaiserreich Russland 1890-1906. Quelle: Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary, Modifikation durch Nowina

Mapa-Wolhynia


Adelslegitimierung nach dem Zerfall der Adelsrepublik

Die Geschichte der Formalisierung der Adelstandes im Kaiserreich Russland erfolge im Vergleich zum westlichen Europa oder der Adelsrepublik mit einer Verzögerung von einigen Hundert Jahren.

Es gab bereits im XVI. Jhdt. Regulierungen des Zugangs zu den höchsten Ämtern wie der Bojarentafel oder der Okolniki, aber sie betrafen nur die höchsten Ämter und Würden. Vielelich die Herkunft der Katharina II bewirkte, dass sie das erste Generaladelsprivileg erließ. Dieser "Żałowannaja gramota dworiaństwu", Gramota na prawa, wolnosti i preimuszczestwa błagorodnogo rossijskogo dworianstwa, 21. IV. 1785, Połnoje Sobranije Zakonow Rossijskoj Imperii, PSZ, Band 22, Serie 1, Nr. 16787, hat die verstreuten Rechtsvorschriften in diesem Rechtsbereich gesammelt, geordnet und erweitert.

Die Legitimierungsprozedur war zweistufig - der Antrag mit den Nachweisen wurde an eine Kommision in der Gubernie des überwiegenden Aufenthaltes gestellt. Die Kommission setzte sich aus dem Adelsmarschall und Vertretern des in der Gubernie ansätzigen Adels. Nach der Verifizierung wurden die Dokumente an den Senat in St. Peterburg verschickt . In der Gubernieen wurden Adelsregister angelegt, die in 6 Unterabteilungen unterteilt waren. In diese wurde der Adels entsprechen der Klassifizierung der eingereichten Nachweise ihres Legitimationsverfahren eingetragen.

  1. Abteilung des Adels, deren Adelsnachweis 100 Jahre nicht überstieg (das Jahr 1685)
  2. Abteilung des Briefadels für militärische Verdienste
  3. Abteilung des Briefadels für das Erreichen des VIII. Verwaltungsranges der Rangtabelle
  4. Abteilung des ausländischen Adels, der im Kaiserreich Russland vor dem Jahr 1772 ansässig war
  5. Abteilung der Aristokratie - titulierter Adel
  6. Abteilung des unbetitelten Uradels = im Besitz des Adelsstandes vor dem Jahr 1685.

Auf diesem Wege sind die Familien, die sich der Legitimierungsprozedur unterwofen haben, in den Genuß der adligen Privilegien des Kaiserreiches Russland gekommen. Nach der erfolgten Legitimierung wurden diese Familien in eine der 6 Abteilungen der dezentral auf Gubernieebene geführten Adelsregister eingetragen. Die Einträge erfolgten personenbezogen, so dass spätere Nachkommen um die Eintragung zu ersuchen hatten. Damit wurde ein hermetischen Adelsregister geschaffen, dass es in der Adelsrepublik nicht gegeben hat und heute den Forscher solche Probleme bereitet. Bedauerlicher Weise bedingt vielleicht durch die slawische Mentalität schleppte sich das Legitimationsverfahren in die Länge, so dass sogarn Mitglieder der russischen uradligen dynastischen Geschlechter (so wurde erst im jahre nocht Fürstenfamliene aus der mittelalterlichen Rurikidenabstammung eingetagen. Auch die dezentrale Abwicklung in verbindung mit den Kommunikationsmöglichkeiten des XIX. Jhdt. führte dazu, dass die Eintragung in der verschiedenen Gubernien, die jeweoils einzeln beantragt wedden musste sich über 100 jahre zwischen den einzelnen Gubernien hinzog. Es ist wert an dieser Stelle zu betonen, dass die Szlachta der Adelsrepublik dem gleichen Recht wie der russische Adel unterworfen war, der sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls legitimieren musste. Zugleich wurde die Legitimierung nicht zentral sondern dezentral in den Gubernien durchgeführt. Die Legitimierungsgremien bestanden ebenfalls aus. Überdies führte die nicht erfolgte Anerkennung nicht zur Enteignung oder einer Pflichtabgabe ihrer leibeigenen Bauern.

Für Nichtadlige, oder Mitglieder des Adelstandes nach einem anderen Rechtssystem (nicht nur der Adelsrepublik), bestand die Möglichkeit des gesellschaftlichen Aufstiegs nach einer militärischen Karriere oder durch den Aufstieg im Verrwaltungsapparat des Kaiserreiches Russland durch die Rangtabelle. Tatsächlich erfolgten überwiegend in den westlichen Gubernien die Verleihungen des russischen Adelstandes an Personen aus dem Teil der Szlachta der Adelsrepublik, der sich der Legitimierungsprozedur nach dem Zerfall der Adelsrepublik nicht unterwarf.

Die Rangtabelle war eine der Reformen des Zaren Peter I. Mit ihr wurde der Zivil- und Militärdienst genormt und zugleich neu strukturiert. Sie sah 14 Ränge für alle zivilen Bedienstete und das Militärpersonal vor. Er wurde im Jahre 1722 erlasen und bestand bis zum Jahr 1917. Erreichung der Ränge V-IX entsprach dem persönlichen, nicht erblichen Briefadel, der Ränge I-IV den Erhalt des erblichen Adels für Nachkommen in männlicher Linie aus legalisierten Verhälnissen.

Es ist ebenfalls wert zu unterstreichen, dass bisher keine grundlosen Adelsentsetzungen stattgefunden haben sowie dass die fehlende Zuerkennung des russischen Adelstandes den Adelstand nach dem Rechtssystem der Adelsrepublik nicht aufhebte. Die fehlende Anerkennung des Adelstandes nahc dem russischen System bedeutete dennoch eine Deklassierung, da die nicht legitimierten Familien nicht in den Genuß der adligen Prilegien kamen. Selbstverständlich fanden Adelsentsetzungen oder nicht Anerkennung des Adelstandes für Personen statt, die das staatliche Rechtssystem verletzten. Auch hier wurde bei Rechtsverletzungen ohne Ansehen der Religion, Sprache oder völkischer Zugehörigkeit entschieden, so dass die vielfachen Anschuldigungen polnischer Historiographen im Sachbestand korrekt, aber dennoch nicht gerechtfertigt sind.

Auszug aus den Landbüchern des Bohusławski Kreises, Gubernie Wolhynien aus dem Jahre 1799

Landbuchabschrift

Bestätigung von 12 adligen Zeugen des Adelstandes der Familie Słowacki, Eintrag in polnischer Sprache, 2 Karten.

Slowacki


Quelle

Zentrales Historische Staatsarchiv der Ukraine in Kiev, Fond F782, Inventar 1, Nr. 10957

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