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Entwicklung vom polnischen Adel bis zur Szlachta der Adelsrepublik

von Georg Michael Klausa

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Klausa, Georg Michael: „Entwicklung vom polnischen Adel bis zur Szlachta der Adelsrepublik“, in: WIKIa Szlachta [Onlinefassung]; URL: http://www.de.szlachta.wikia.com/, Zugang .. . .. . 201. .

Polnischer Adel

Im ehemaligen Königreich Polen definierte sich die Zugehörigkeit zum Adel – zur Szlachta – durch die Zugehörigkeit zu einem Wappengeschlecht – einem “Stamm”. Damit wich die Struktur des entstehende Staates von der Entwicklung im Heiligen Römischen Reich ab. Die Wappen-geschlechter als Besonderheit des polnischen Adelsrechts entwickelten sich aus den im Mittelalter frei genossenschaftlich organisierten Geschlechterverbänden.

Seit 1374 beanspruchte die Szlachta erfolgreich die Königswahl für sich, seit 1573 stand allen adeligen Einwohnern Polens das aktive und passive Recht der Königswahl zu. Rund 40.000 Adelsfamilien sind nur an die 4.500 Wappenfamilien zuzuordnen.

Militär

Die Adelsrepublik Polen neigte grundsätzlich dazu, Kriege zu vermeiden, wie man es generell als typisch für demokratisch organisierte Staaten ansieht. Dies änderte sich erst mit den Wahlkönigen im 16 Jhdt., die sich nicht mehr auf das militärische Aufgebot des Adels, sondern auf auf eine vom Parlament bewusst klein gehaltene Berufsarmee, stützten. Mit dieser endete auch der vorher verpflichtender Kriegsdienst des Adels. Am Anfang des 17 Jhdt. Veranlassten gar einige Angriffskriege das Parlament dazu die königliche Macht weiter zu beschränken und schließlich auch die absolut notwendigen Gelder für das Heer nicht mehr zu genehmigen, es sei den, es diente dem Zweck der Landesverteidigung.

Rechte des Adels nach Bildung des litauisch-polnischen Reiches Res Publica Serenissima

Die Wahlkönige mussten sich ihre Wahl durch Zugeständnisse an den Adel erkaufen. Entsprechend günstig entwickelten sich die Adelsprivilegien. Allerdings wurde dieser Stand schon 1374 durch Ludwigs „Kaschauer Privileg“ nahezu von Abgaben und Steuern befreit. Städte und Bürger spielten kaum eine Rolle in der Gesetzgebung und Verwaltung. Bauern fielen ab 1518 vollkommen unter die Rechtssprechung ihrer adeligen Herren. Auch durften nur Adel und Kirche Land besitzen.

Der stetig steigende Einfluss des Adels ging aber vorallem auf Kosten der königlichen Macht. So verpflichtete der König Alexander sich und seine Nachfolger „nihil novi“, keine Nobilitierung, ohne Beratung mit der Adelsvertretungen durchzuführen.

Der Monarch hatte nicht einmal ein eigenes Siegel, durfte keine Gesandten empfangen, die Befehslgewalt über das Heer hatte im Kriegsfall ein „Hetman“ und auch das Recht der Nobilitierung ging 1578 an das Adelsparlament des Gesamtreiches (nicht Polens) über.

Fast bis zum staatsrechtlichen Ende 1795 war die Res Publica so eine wirkliche „Adelsdemokratie“ mit einem König als Repräsentant des Staates an der Spitze.

Organisation des Adels

Der Adel war nicht durch Familien im engeren Sinne, sondern in großen Geschlechtsverbänden von Adeligen, der „Szlachta“ organisiert. Diese entstammten teils einer dynastischen teils der freien Kriegerschicht wobei rechtlich alle Adeligen gleichrangig waren, obwohl die Adelsschicht sozial und wirtschaftlich sehr heterogen war.

Entscheidend für die Zugehörigkeit zum Adel war die Angehörigkeit zu einem Geschlechtsverband unter dem entsprechenden Wappen und Wappennamen, von denen es nur einige Hundert gab. Familiennamen kamen erst später auf. Diese wurden aber oft nach Herkunftsort, Besitz oder sogar Spitznamen gewählt und auch auf das Gesinde übertragen. Es konnte also nur aus dem zuständigen Wappennamen auf die Zugehörigkeit zum Adel geschlossen werden.

Bei aller juristischen Gleichheit – jeder Adelige war persönlich und mit gleichwertiger Stimme passiv wie aktiv zur Königswahl berechtigt – waren die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede gewaltig. Besitztümer waren sehr ungleich verteilt und besitzlosen Wohlgeborenen verbat ihre Herkunft einen bürgerlichen Beruf anzunehmen, so dass sie sich oft als adeliges Gesinde oder Müßiggänger durchschlagen mussten, wenn sie nicht das Glück hatten in Kirche oder Militär unterzukommen.

Ein Anonymus charakterisierte die tatsächliche Lage etwa so: Der Edelmann im Dienste eines Großgrundbesitzers konnte vor und bei den Wahlen erleben von Letzterem mit „großmächtiger Herr Bruder“ angeredet zu werden, musste aber damit rechnen, dass der gleiche Herr ihn danach bei der Feldarbeit von seinen kosakischen Aufsehern mit Stockschlägen traktieren ließ.

Formal wurde auf die Gleichheit großen Wert gelegt. So brachte das Wort „Kleinadel“ in einer Konstitution empörten Protest der Adelsmassen auf und musste in einem Spezialgesetz als Irrtum „per errorem in perpetuum“ verworfen werden, denn alle Edelleute seien gleich!

Diese Gleichheit verhinderte auch das Mehrheitsprinzip. Jedes Mitglied der Versammlung in den adeligen Parlamenten hatte ein freies Vetorecht, das „liberum veto“, das Verweigerungsrecht der Freien, mit der die ganze Regierung lahmgelegt werden konnte. Dies bedurfte keiner Rechtfertigung, es war lediglich darin begründet, einen Standesgenossen nicht in die Minderheit zu drängen, weil das ein Angriff auf die Gleichheit gewesen wäre. Die einen sahen darin den Augapfel der Freiheit und den „Himmel des Adels“, im Westen empfand man den Zustand aber mitunter als „Adelsanarchie“.

Durch die Beteiligung an der Willensbildung das Staates wurde bemerkenswert viel Gewicht auf die Ausbildung eines jeden Edelmannes, zumindest in alten Sprachen, öffentlichem Recht, Geschichte, Rhetorik, Ethik und Politikwissenschaft, seit der Renaissance. Das stand sehr im Gegensatz zum Bildungsstand des westlichen Adels. Adelige Polen studierten an allen großen Universitäten Europas und die Lektüre gehörte zu einer der beliebtesten Beschäftigungen.

Quelle: „Adel in Polen“ von Georg Michael Klausa, Deutsches Adelsblatt 2011 mit Korekten

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